Paddelwinter in Europa (II)

Der Schwarzwald rund um Freiburg

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Auch diesseits der Alpen wird im Winter gepaddelt. In deutschen Mittelgebirgen wie dem Schwarzwald kommt auch der Sportfaktor nicht zu kurz. Wilde Gutach, Wiese, Alb und Wehra – in einer guten Fahrstunde erreicht man von Freiburg aus die Klassiker des Südschwarzwalds. Und den Freiburger Hausbach – die Dreisam – gibt’s als Nachmittagstour obendrauf.

Die meisten Freiburger Paddler zielen bei Schneeschmelze oft auf die Wilde Gutach, einen Nebenfluss der Elz. Sie ist die Standardstrecke im Südschwarzwald. Es gibt drei Abschnitte: Der hinterste Teil ab Hexenlochmühle ist eine etwa 3 Kilometer lange WW III (4) Strecke und wird nur bei sehr guten Wasserständen befahren. Die anschließende sportliche WW III-IV Traumstrecke mit dem Sägewerkskatarakt oberhalb Wildgutach und der kernigen Waldschlucht geht über 5 km bis zum E-Werk. Im Anschluß kommen dann noch fast 10 km entspanntes WW II-III (IV) bis zum Cafe Märchengarten bei Simonswald hinzu. Somit insgesamt mindestens 18 km herrliches Wildwasser!

Wilde Gutach

Flottes Wildwasser auf dem obersten Abschnitt im »Hexenloch«.. | Quelle: Hille

Im obersten Teil ab Hexenlochmühle windet sich die Wilde Gutach als quirliger Wiesenbach durch ein herrlich-enges Schwarzwaldtal. Im oberen Teil mit Einstieg ca. 1 km oberhalb Wildgutach: Je nach Wasserstand ändert die Wilde Gutach ihren Charakter hier deutlich, von technisch-steinig bei NW (Pegel 85-95 Simonswald) bis erstaunlich schnell und wuchtig ab Pegel 100. Nach entspanntem Start oberhalb Wildgutach kommt hier mit zunehmenden Schwierigkeiten zuerst der Sägewerkskatarakt (WW III-IV). Gut einsehbar befindet sich diese Stelle direkt neben der Straße, die Kehrwasser sind schwarzwaldtypisch klein. Das Wehr in Wildgutach sollte man sich anschauen. Auch weiterhin folgt kontinuierlich sportliches WW III-IV durch die unzugängliche Waldschlucht – dem schönsten Teil der Wilden Gutach. Schwimmer sollten wegen spitzer Steine vermieden werden.
Die untere Wildgutach ab E-Werk ist als Wiesenfluß dann deutlich entspannter. Mit vielen Kehrwässern und Rutschen geht es hier herrlich an Schwarzwalduhrenherstellern und Fachwerkhäusern entlang. Das »Dampfloch« ist hier eine - problemlos links umtragbare – Stelle im schwachen vierten Grad, die man sich auf der linken Seite anschauen sollte.

Wilde Gutach

Am »Dampfloch«. | Quelle: Hille

Auch wenn die Wilde Gutach in toto ein fairer Bach ist: Extreme Vorsicht ist wie in allen Schwarzwaldbächen geboten – wegen umgefallenen Bäume oder schlecht einsehbaren Ästen gerade hinter Stufen. Dieses Restrisiko ist auch deshalb hoch, weil die Schneeschmelze häufig mit dem stürmischen Föhn gleichzeitig auftritt. Der Boden ist zudem oft durch tagelangen Regen aufgeweicht, was das Umfallen der Bäume am Fluß begünstigt.

Wiese Wolfsschlucht

Steil, eng, schnell, wenige Kehrwasser und ein dicker Felsen am Ende – so präsentiert sich die Wolfsschlucht der Wiese. | Quelle: Hille

Mein Lösungsvorschlag zum Thema Holzrisiko: Eine Art Fahrtenbuch in einer regendichten Holzklappe am Ausstieg, in dem aktuelle Hinweise auf Bäume ein- oder ausgetragen werden können, wäre eine große Hilfe. Nicht alle schauen oder geben Warnhinweise auf Online-Portalen wie 4-Paddlers. Wie oft steigt man aus und würde gerne einen Hinweis über einen Baum den nachfolgenden Paddlern am Ausstieg mit »auf den Fluß« geben. Es müssen nicht gleich Drohnen sein, die Bäche vorher für uns aus niedriger Höhe abfliegen und deren Filme wir über eine App vorher anschauen können. Paddeln im Schwarzwald wäre hinsichtlich Risiko und Spaß anders, wenn wir nicht dieses leidige Holzthema hätten, vor dem auch die Cracks unglaublichen Respekt haben. Je enger und steiler der Bach, desto riskanter das Holzthema. Was bei der Wilden Gutach noch wegen zumeist mehrerer Durchfahrten gerade noch so gut geht, wird auf steileren, engeren und schnelleren Bächen zur Falle.

Kurz aber knackig: die »Wolfsschlucht« der Wiese

Wiese Wolfsschlucht

Immer nebendran: der Wanderweg. | Quelle: Hille

Solch eine steile Rinne ist die Wiese nahe des Städtchens Todtnau. Im unteren Teil nur mäßig schwer, entwässert die Wiese das Feldberg-Gebiet und mündet bei Lörrach in den Rhein. Eine kurze Strecke, die Wolfsschlucht oberhalb Todtnau, bietet sich als knackige Trainingsstrecke mit WW IV-V (bei Niedrigwasser) an. Entlang der gesamten Strecke verläuft ein Wanderweg, von dem aus man das Treppenhaus eingehend besichtigen sollte. Der Ausstieg befindet sich nach gut 300 Meter nach einer Fußgängerbrücke oberhalb Todtnau linksufrig.Einen guten Einblick ins Wildwasser der Wolfsschlucht bietet dieser kurze Video-Clip vom April 2014.

  Mittlere Albschlucht      Mittele Alb Schwarzwald

Die große wilde Schwester – die Wehra bei Todtmoos

Wehra

Rasant und ohne Atempause stürmt die Untere Wehra dem Stausee entgegen. | Quelle: Hille

Als große Schwester der obersten Wiese kann ohne Zweifel die Wehra gelten. Die berüchtigte »Parkplatzstrecke« unterhalb Todtmoos zählt zum Extremsten, das der Schwarzwald zu bieten hat. Enormes Gefälle, massive Wasserwucht und scharfkantige Felsblöcke haben schon mancher Kenterung den Arztbesuch folgen lassen. Deutlich moderater, aber immer noch rauschend schnell zeigt sich der anschließende Unterlauf. Mit WW IV ist die untere Wehra ein schneller, technischer Ritt und Leckerbissen, der bei mäßigem Wasserstand auch von Nicht-Profis befahren werden kann.

Wehra

Zusätzlich zur hohen Geschwindigkeit erfordern plötzlich auftauchende Stufen saubere Routenwahl. | Quelle: Hille

Bereits ab Mittelwasser verknüpfen sich die einzelnen Stellen zu einer einzigen langen Stromschnelle. Gerade dann ist eine sorgfältige Besichtigung von der stets parallel verlaufenden Straße wichtig. Auch auf der Wehra sind Baumhindernisse immer Thema. Ist der Wasserstand für den Unterlauf zu hoch, lohnt sich ein Blick auf den Oberlauf ab Todtmoos. Vorsicht auf Wehre und unbedingt rechtzeitig vor der »Parkplatzstrecke« die Fahrt beenden.

Vom Wiesenbach zum Stadtfluss – Wagensteigbach und Dreisam

Wagensteigbach

Flotte Strömung, enge Kurven – der Wagensteigbach vor den Toren Freiburgs. | Quelle: Hille

Diese Zwei-Flüsse-Tour ist ein echter Geheimtipp vor den Toren Freiburgs. Nahezu 20 Kilometer abwechslungsreiches WW II-III zunächst auf dem Wagensteigbach ab dem Örtchen Wagensteig, später als Dreisam mitten durch Freiburg. Ab einem Mindestpegel von 0,85 m in Freiburg-Ebnet lohnt sich die Tour, richtig Spaß macht's ab 0,95 m.

Dreisam Freiburg

Die lange Rutsche hinter der Leo-Wohleb-Brücke im Herzen Freiburgs. | Quelle: Hille

Der Wandel zum Stadtfluss kommt schrittweise, ist am Ende aber total. Die Dreisam durchschneidet die Badenmetropole und bietet neben einigen Umtragen lustige Wehrrutschen und eine Vielzahl künstlicher Schwellen, die beim richtigen Wasserstand zum Meilensurfen einladen. Urban Paddling at its best!

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Auch diesseits der Alpen wird im Winter gepaddelt. In deutschen Mittelgebirgen wie dem Schwarzwald kommt auch der Sportfaktor nicht zu kurz. Wilde Gutach, Wiese, Alb und Wehra – in einer guten Fahrstunde erreicht man von Freiburg aus die Klassiker des Südschwarzwalds. Und den Freiburger Hausbach – die Dreisam – gibt’s als Nachmittagstour obendrauf.