Outdoor Erste Hilfe – gerüstet für den Notfall

Manchmal geht es schneller als man denkt: Ein Cut im Gesicht, eine luxierte Schulter, ein verdrehtes Knie nach dem Schwimmer. Es braucht keinen Ertrinkungsunfall, um das Team von jetzt auf gleich in eine Notlage zu bringen. Es reicht schon, wenn das Missgeschick im unzugänglichen Schluchtengrund passiert. Die Verfechter der sportlichen Linie befanden, dass es Zeit für ein Erste-Hilfe-Update ist – und buchten von 21. bis 23. März einen Real-Live-Kurs in Sachen »Outdoor Emergency Leadership«.

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Artikel Outdoor Erste Hilfe – gerüstet für den Notfall Erste Hilfe

Quelle: www.verfechter.eu

Im Wildwasser stehen oft nur wenige Zentimeter zwischen einer erfolgreichen Befahrung und den folgenschweren Konsequenzen eines Fahrfehlers. Aber auch im Seekajak oder Wanderboot können Freunde in Not geraten und die schnelle Reaktion der Mitpaddler sich als lebensrettend erweisen. Die Erste-Hilfe-Ausbildung zählt zum Standard für Führerscheinbesitzer wie Übungsleiter im Sport. Eine basale Ausbildung in Wundversorgung, der Stabilisierung von Verletzten und letztendlich auch der Reanimation ist Grundlage für schnelle Hilfe im Fall der Fälle.





Foto rechts: Die Hornbachschlucht bietet hohen Reality-Faktor. Im Bild ist der schwerverletzte Statist im unwegsamen Gelände abgestürzt. 

Wer jedoch einmal einen schweren Unfall auf dem Wildfluss oder an einem weitab gelegenen Küstenstreifen miterlebt hat, spürt den Unterschied zwischen den klinischen Bedingungen im Seminarraum und der echten Situation in der Natur. Eine ungleich größere Zahl von Faktoren erschwert die richtige Entscheidung: Ärztliche Hilfe ist nur mehrere Stunden oder gar Tage entfernt verfügbar, das Wetter und die Beschaffenheit des Naturraums können die Behandlung des Verletzten erschweren. Generell sind die Ersthelfer für lange Zeit auf sich allein gestellt.

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Es ist also nur logisch, dass der ideale Erste-Hilfe-Kurs für Outdoorsportler die Unbilden der Natur in Betracht zieht und auch das Training unter realistischen Bedingungen stattfinden sollte.Wir, die Verfechter der sportlichen Linie, sind eine Gruppe von Outdoor-Enthusiasten aus dem süddeutschen Raum. Jedes Frühjahr schulen wir Rettungs- und Bergetechniken rund um den Kajaksport während eines zweitägigen »Safety Update«. Dieses Jahr sollten nicht Stecker, Flaschenzüge und Walzenschwimmen auf dem Programm, sondern eine Weiterbildung in Erster Hilfe.Foto oben: Erstversorgung nach dem Auffinden einer verletzten Person.Foto links: Schaut hässlich aus und tut höllisch weh: Platzwunde mit Trümmerbruch beim Paddeln.Fotos unten: Als erstes wird die Blutung am Kopf gestillt, anschließend alles weitere im Team besprochen.

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Anders als beim Safety Update, das sich aus der »Schwarmkompetenz« der Teilnehmer nährt, haben wir uns dieses Mal für einen professionellen Trainer in Sachen Notfallmanagement entschieden. Herbert Ringer heißt unser Mann, mit ihm hatten wir uns von Freitagabend bis Sonntagabend in Hinterhornbach, einem verschlafenen Bergdorf etwa zehn Kilometer vom Tiroler Lech verabredet.

Über 2,5 Tage gab uns der Experte in Sachen Outdoor Erste Hilfe Nachhilfe in Sachen »Outdoor Emergency Leadership«. Ein hochtrabender Name für das, was man seit Jahrzehnten »Erste Hilfe« nennt? Schnell wurde auch den Zweiflern klar, dass abseits der klinisches Bedingungen des Übungsraums weit mehr gefragt ist, als Dreieckstuch und Herzdruckmassage.

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Der Unfall kommt unerwartet und frontal, der Chaosfaktor in der Gruppe potenzieller Ersthelfer ist dementsprechend hoch. In wenigen Minuten gilt es für jeden im Team, seine Rolle zu finden, die Bedürfnisse des Verletzten zu erkennen und – auch nach dem dritten durchspielten Szenario am schwierigsten – zu priorisieren. Das Handy liegt bereit, der Anruf zur 112 sollte also rasch abgesetzt werden. Doch reicht der Empfang? Muss sich ein Teil der Gruppe trennen, um ein Funksignal zu finden? Und Halt, wie genau ist der Zustand des Verunfallten? Ist es nur das kaputte Knie? Oder verbirgt sich unterm Helm vielleicht eine Kopfverletzung? Kann der Messenger den Unfallort beschreiben? Wo ist die nächste Straße? Das Stöhnen des Verletzten wird leiser, die Stimme schwächer. Ist der Kreislauf stabil? Und überhaupt: Warum haben wir nur zwei Erste-Hilfe-Kits in der Gruppe? Zwei Rettungsdecken reichen nirgendwohin, der Nieselregen kühlt jeden aus, der nicht ständig in Bewegung ist.

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Wer schon beim Lesen dieser Zeilen Atemlosigkeit verspürt, bekommt eine Idee, wie sich das Ganze vor Ort anfühlt. Obwohl wir ungefähr wussten, was auf uns zukommt im dichten Ufergestrüpp des Hornbachs, ist das Auffinden der verletzten Kameraden eindrucksvoll – und verstörend. Plastisch modellierte Platzwunden, offen liegende Brüche und luxierte Schultern, abgetrennte Fingerglieder lassen uns unwillkürlich zurückschrecken. Auch die Annäherung und Behandlung eines traumatisierten bis panischen Verletzten, die Überschreitung körperlicher Distanzen, um den Verunfallten zu untersuchen und zu wärmen fordern Kraft und Überwindung der Seminarteilnehmer.Foto oben: Besonders bei inneren Verletzungen bleibt oft nicht viel, als den Verunfallten zu stabilisieren und professioneller Rettung zu harren.Foto links: Nicht nur beim Klettern fallen Steine, auch Schluchtenpaddler leben gefährlich. Gut, wenn man Wissen und Material beisammen hat, um solch üble Platzwunden zu versorgen.Foto unten: Ist der Hubschrauber in Sicht, gilt es, dem Piloten die Position des Verletzten zu signalisieren. 

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Und doch ist es erstaunlich mit welchem Maß an Commitment und Entschlossenheit jeder in der Gruppe versucht zu helfen und seine Rolle im hektischen treiben sucht. Gleich im ersten der vier Szenarien stellt sich die Frage nach Organisation und Hierarchie. Hier hängt freilich viel davon ab, wie gut sich die Gruppe kennt und ob sich von selbst ein »Leader« findet, der die Führung übernimmt. Fakt ist: Diskussionen kosten wertvolle Zeit.

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Foto oben: Die Gefahr von Unterkühlung ist immens, wenn die Rettung lange dauert. Die beste Abwärme kommt immer noch vom Mitmenschen.

Das am Wildfluss meist ausgesetzte Gelände führt zu weiteren Schwierigkeiten: Liegt der Verletzte an einem sicheren, zumindest halbwegs geschützten Ort oder in einer Steinschlagschneise oder im Sprühnebel eines Wasserfalls? Wie kann die Person transportiert werden. Besteht eventuell eine Wirbelsäulenverletzung? Darf man den Verletzten auch entgegen deutlich artikuliertem Widerstand bewegen und behandeln?

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Quelle: Sebi Bauer

Foto oben: Regen und Schnee rauben nicht nur dem Paddelsport die Gemütlichkeit. Die Gefahr der Unterkühlung vergrößert sich rasant bei Temperaturen unter Null.

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Foto oben: Herz-Lungen-Wiederbelebung an der Puppe.Foto oben: Wenn nichts mehr geht, hilft wenigstens Ansprache und Körperwärme.

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Im Frühstücksraum der exklusiv für uns gebuchten Pension Larcherhof lernen wir die theoretischen Kenntnisse für den nächsten Rettungseinsatz. Die Themen des Seminars umfassen neben den angesprochenen Aspekten die Behandlung von Schock, Sportverletzungen, Hitze- und Kälteschäden, Wirbelsäulentraumen, den Ertrinkungsunfall, Bewusstlosigkeit und Atemstillstand sowie Herz-Lungen-Wiederbelebung. Außerdem stehen die Ablaufstrukturen im Notfallmanagement, die Kooperation mit dem Rettungsdienst, der Umgang mit anvertrauten Gruppen, aber auch mit Polizei und Presse im Mittelpunkt. Eine Einführung ins Krisenmanagement ergänzt das Programm.

Foto rechts: Theorieschulung im Frühstücksraum ...

Foto unten: ... und draußen vor der Pension.

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Herz des Kurses sind zweifelsohne die realistische inszenierten Einsätze im Gelände. Eine Besonderheit von Herbies Kursen ist, dass jeder Teilnehmer mindestens einmal selbst in die Rolle des Verletzten schlüpft. Durch diese gänzlich andersartige Perspektive werden den späteren Helfern die Bedürfnisse des Verletzten drastisch vor Augen geführt.

Insgesamt eine absolut lohnende Fortbildung zu einem ernsten Thema, das im Wildwasser leider allzu oft eine große Rolle spielt. Unser Dank geht an unseren Trainer Herbie Ringer wie auch an Frau Larcher von der Pension Larcherhof (www.larcherhof.at), die uns zu allen (Un-)Zeiten hervorragend bewirtet hat.

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Quelle: www.verfechter.eu

Foto oben: Die Verfechter nach getaner Arbeit zusammen mit Pensionswirtin Larcher und Trainer Herbert Ringer (1. und 3. von links).

Wer selbst aktiv werden will und sich für eine Fortbildung im Bereich »Outdoor Emergency Leadership« interessiert, wendet sich an

Herbert Ringer, mail@ringer-tb.de, Telefon: 07541-8301425, Mobil: 0176-23240592.

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TrustedPaddler
Diplom-Geograph, fester Autor fürs KANU-Magazin, Südosteuropa-Spezialist, Kajakreiseveranstalter und vor allem seit 25 Jahren so oft es geht im Boot. Der Genuss auf dem Wasser zu sein, gemeinsam mit alten und neuen Freunden, darüber zu schreiben, sich connecten. Love it! Für alles weitere .

2 Kommentare

  1. Outdoor Erste Hilfe – gerüstet für den Notfall
    markus kapfervor 8 Jahren

    sehr gut...immer für den ernstfall gerüstet.

  2. TrustedPaddler
    steinbruchvor 8 Jahren

    sehr gut...immer für den ernstfall gerüstet.

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